Tag 14: 19.08.2026: 6583km in 14 Tagen

Auf dem Schotterparkplatz am Wulfener Hals auf Fehmarn war es irgendwie heute Nacht ziemlich unruhig. Es liefen noch bis spät in die Nacht Leute herum und auch morgens waren die Vögel irgendwie ziemlich laut. Im Dachzelt hört man halt auch alles. Mehr oder weniger gut ausgeschlafen krabbelte ich dann aus dem Dachzelt. Wir gingen zum Supermarkt auf dem Campingplatz und holten frische Brötchen. Nach einem entspannten Frühstück ging es dann auf die Bahn. 

Heute standen gut 450km auf dem Programm. Diese waren jedoch deutlich anstrengender als die letzten Tage. Wir hatten Stau bei Lübeck, Hamburg und Bremen. Die Leute fuhren echt ziemlich bescheuert, riskant und einfach sehr umentspannt. Das ist im Norden echt um Welten entspannter. Gekoppelt mit viel Regen war’s wirklich anstrengend. Als wir nach über 7 Stunden Fahrt müde in Hamm ankamen, waren wir echt froh.

Wir wurden direkt von Papa begrüßt und kamen erst einmal an. 

So richtig realisiert habe ich es noch nicht, mit dem alten gelben Golf, den ich kenne, seitdem ich denken kann, bis zum Nordkapp gefahren zu sein. Alleine, mit Dachzelt, Camping-Zeug und der Motivation, es einfach zu machen und durchzuziehen. Ein bisschen bescheuert ist das irgendwie schon, aber auch einfach sehr sehr geil. Von dieser Reise werde ich bestimmt noch in Jahrzehnten erzählen. In den zwei Wochen, in denen ich unterwegs war, bin ich insgesamt 6583km gefahren. Das sind im Schnitt ca. 470km am Tag. Ich bin also quasi 2 Wochen lang jeden Tag von Hamm nach Berlin gefahren. Irgendwie schon crazy. Zwar waren es auch mal über 800 und mal deutlich weniger, aber ich saß schon ziemlich lange im Auto.

Ich schaue dankbar auf sehr ereignisreiche Wochen zurück, schöne Erlebnisse, Begegnungen und einen Mix aus vielen verschiedenen Wetterzuständen. An manchen Tagen im hohen Norden bei 7 Grad und Regen war die Sehnsucht nach zu Hause und den warmen Temperaturen durchaus vorhanden, im Auto oder Schlafsack war’s aber sehr angenehm. Und ich glaube das hat diese Reise auch ausgemacht. Sie war einfach anders als meine Reisen sonst, auf denen ich weniger Strecke mache und auch mehr an den Orten vor Ort bin. Dachzeltreisen ist einfach anders als Reisen mit dem Bulli, gerade bei nassem und kaltem Wetter. Aber auch das funktioniert.

Ein paar Worte möchte ich aber noch zu meinem Reisefahrzeug verlieren. Ich bin echt überrascht, wie problemlos, zuverlässig, komfortabel und auch sparsam mich dieses Auto auf der Reise begleitet hat. Ich hatte anfangs echt ein wenig meine Bedenken, habe verschiedenes Werkzeug und auch ein paar Ersatzteile eingepackt, für den Fall der Fälle. Außer dem durchgebrochenen Trichter für den Ölmessstab hatte ich jedoch keinerlei ernsthafte Pannen. Dass ich bei der Strecke gut 1-1,5 Liter Motoröl nachgekippt habe, sehe ich bei einer Laufleistung von mittlerweile 333.000km mit erstem Motor als vertretbar an.

Meine ABS-Lampe hat zwischenzeitlich etwas Disco-Feeling gegeben und auch der Drehzahlmesser hat empfindlich auf Wetter- und Feuchtigkeitsveränderungen reagiert, der 1,9er unter der Motorhaube hat aber einfach funktioniert. Die norwegischen Berge ging’s entspannt hoch und auch wieder runter. Und das alles bei einem Verbrauch von um die 5 Liter pro 100km. Den genauen Verbrauch habe ich noch nicht ausgerechnet, da ich hier noch nicht tanken war. Ein paar Sachen stehen jedoch an, vor allem vor dem TÜV im Dezember…

Abschließend lässt sich in jedem Fall sagen, dass man durchaus mit einem über 28 Jahre alten Golf bis zum Nordkapp fahren kann und daraus quasi einen Camper macht. Vielen Dank euch fürs Dabeisein auf dem Blog hier. Eins kann ich schonmal verraten: Die nächste Reise ist schon geplant, hier geht’s also bald wieder weiter.

Tag 13: 18.08.2026: über Dänemark nach Deutschland

Ursprünglich war der Plan noch ein paar Tage hier oben unterwegs zu sein, jedoch haben wir uns gestern Abend dazu entschieden, schon heute den Rückweg Richtung Hamm anzutreten, da wir zu Hause noch ein paar wichtige Sachen zu erledigen haben. Somit stand heute Morgen zeitig Aufstehen auf dem Programm, um ordentlich Strecke machen zu können. Nach einem kleinen Frühstück ging’s los. Wir fuhren östlich am Vettern vorbei und kamen irgendwann auf die große E4. Hier hat man einen traumhaften Blick auf den Vättern. Irgendwann kamen wir dann in Jönköping raus, haben bei MAX Mittag gegessen, beim ICA Maxi (einem Supermarkt) Pfand weggebracht und im Rusta noch eine Kleinigkeit gekauft. Anschließend ging es zu Bolmenfisk, einer Fischräucherei, bei der sich ein Abstecher eigentlich immer lohnt. 

Kurz vor Helsingborg tankten wir nochmal zu schwedisch günstigen Preisen die Autos randvoll und rollten weiter Richtung Malmö und Øresundbrücke. An Kopenhagen vorbei ging’s dann anschließend nach Rødby, wo wir die Fähre nach Fehmarn nahmen. 

Gegen 21:30 Uhr kamen wir dann am Wulfener Hals an und holten direkt unsere vorbestellte Pizza ab. Die schmeckt hier wirklich hervorragend. 

Nach über 730km freuten wir uns alle über die Dusche und fallen auch ziemlich müde ins Bett. Morgen geht’s dann weiter. 

Tag 12: 17.08.2026: Bekannte Gesichter

Die Morgenroutine hier beim Dachzelt-Reisen ist meistens ziemlich ähnlich. Aufwachen, dann irgendwann aufstehen, rausklettern, Landschaft genießen, mal wohin gehen, Müsli frühstücken, Dachzelt aufräumen und zusammenklappen, Route zum nächsten Ziel berechnen und aufbrechen. Das, was dann variiert sind die Zeiten. Heute startete ich die Etappe gegen 10 Uhr und rollte Richtung Süden. Die E4 bin ich ja auf dem Hinweg schon gefahren, allerdings in die andere Richtung. 

Bei Gävle bog ich dann ab und fuhr Richtung Südwesten, erst einmal über kleinere Straßen, anschließend aber wieder über Größere. 

Am frühen Nachmittag erreichte ich meinen Stellplatz in der Nähe von Örebro. Hier gibt’s eine kleine Badestelle mit Picknickbänken, einem kleinen Unterschlupf und einem Plumpsklo. 

Viel los ist hier jedoch nicht. Zwei Jungs aus der Nähe von Borken zelten hier und haben es sich gemütlich im Unterschlupf eingerichtet. Zwischendurch kamen dann auch noch ein paar Spaziergänger vorbei. 

Ich habe heute tatsächlich mal meine Hängematte ausgepackt, die eigentlich viel zu wenig genutzt wird. Bei dem Wetter und den Bäumen bot sich das aber einfach an. 

Bei dem heute traumhaften Sonnenuntergang startete ich meine Drohne und machte ein paar coole Aufnahmen. Als ich damit fertig war hörte ich ein Autogeräusch, erst einmal ja nichts ungewöhnliches. Und auf einmal stand da ein sehr bekanntes Auto vor mir. Der blaue Dexter, Papas Kastenwagen, mit dem Matthias und Nelly aktuell unterwegs sind. Eigentlich waren wir erst für morgen verabredet, aber deren Stellplatzsuche stellte sich als etwas herausfordernd dar, weshalb die Beiden kurzentschlossen bis zu mir fuhren. Die Wiedersehensfreude war groß und wir bestaunten noch ein wenig den spektakulären Sonnenuntergang, bis es etwas zu regnen anfing und wir uns ins Auto zurückzogen. Das ist echt ein richtiger Gamechanger, wenn man es warm und trocken hat.

Den Abend verbrachten wir mit ein paar Runden UNO und Quatschen. Morgen geht’s dann wieder weiter. 

Tag 11: 16.08.2026: 5000km geknackt

Das Rauschen der Wellen, die aufgrund des vielen Windes am Ufer ankamen, hatte irgendwie etwas beruhigendes heute Nacht. 

Nach der wöchentlichen Familien-Videokonferenz, die wir sonntags immer machen, krabbelte ich aus dem Dachzelt und genoss erst einmal den Blick auf den See. Das ist echt immer wieder ein Highlight hier oben. 

Zum Frühstück esse ich meistens Müsli mit Joghurt. Irgendwie hat sich in meiner Kühlbox jedoch ein Pesto-Glas in den Joghurt-Becher verabschiedet. Also gab es Pesto Rosso a la Joghurt Art. Naja, passiert, wenn die Kühlbox sehr voll ist und man abends noch den Topf mit den Resten oben reinstopft… Diese Kühlbox kühlt sehr schön, ist jedoch für den alltäglichen Gebrauch eher unpraktisch, da es eigentlich ein Kühl-Eimer bzw. eine Kühlkiste ist. Für Getränke und geschlossene Dinge sehr praktisch, jedoch muss man quasi die ganze Box einmal ausräumen, wenn man von unten was holen möchte. Aber lieber schön kalte Lebensmittel in einer Kiste, als überhaupt keine Kühlung…

Nach dem Frühstück packte ich ganz in Ruhe alles zusammen und überlegte, ob ich noch eine Nacht hierbleibe oder weiterfahre. Da es zwar trocken, aber mit gut 15-16 Grad noch ziemlich frisch war, entschied ich mich weiterzufahren. 

Ich fuhr die E14 Richtung Sundsvall, also wieder Richtung Ostküste. In Sundsvall bin ich auch auf dem Hinweg vorbeigekommen. Vor ein paar Jahren war ich auch schon einmal hier und erinnerte mich, dass es einen Aussichtsturm auf einem Berg gibt, von dem man einen traumhaften Blick auf die Stadt und das Wasser hat. Also suchte ich die genaue Adresse raus und fuhr hoch. 

Die Aussicht hier oben ist wirklich traumhaft und die paar Schritte den Turm rauf taten auch sehr gut. 

Die E4 ging’s anschließend wieder Richtung Süden. Ich entschied mich auf den einen Platz zu fahren, auf dem ich vor einer guten Woche auch schon stand. Direkt am See gelegen und schön ruhig. Ich kochte mir was leckeres zum Abendessen, ging eine schöne Runde spazieren und saß tatsächlich anschließend auch vorm Auto und Zelt und genoss die angenehmen Temperaturen. Als die Sonne dann weg war, kroch ich wieder in den warmen Schlafsack mit Blick aufs Abendrot. 

Heute habe ich außerdem die 5000km-Marke geknackt, seitdem ich in Hamm gestartet bin. Irgendwie krass wie schnell dann doch die Kilometer so hochzählen.

Tag 10: 15.08.2026: über den Inlandsvägen Richtung Süden

Das mittlerweile gut bekannte Geräusch von Regentropfen auf dem Zeltdach holte mich heute Morgen gut erholt aus dem Schlaf. Ich blieb noch etwas liegen, da jedoch der Regen erst gegen 11:30 Uhr aufhören sollte kroch ich dann schon früher aus dem warmen Schlafsack. Nachdem das Geschirr der letzten Tage gespült war, hat es auch aufgehört zu regnen und ich packte alles wieder zusammen, um weiterzufahren. Auf dem Zelt sammelt sich jedoch gerne Wasser, auch in Form von großen Pfützen… Irgendwie hatte ich das beim Zusammenpacken nicht so auf dem Schirm und so bekam sowohl der Fahrersitz als auch ich eine volle Ladung Wasser ab. Eine Erfrischung tut ja bekanntlich gut. 

Den Inlandsvägen fuhr ich heute wieder ein gutes Stückchen Richtung Süden. In einem kleinen Ort hielt ich an und kaufte ein paar Lebensmittel ein. 

Kurz hinter Östersund stehe ich jetzt auf einem kleinen Platz mitten in der Natur an einem See, also ein richtig typischer Übernachtungsspot in Schweden. 

Ich ging eine Runde spazieren. Das tut wirklich gut wenn man sonst ziemlich viel im Auto sitzt… Die Mücken halten sich hier auch echt in Grenzen und es war auch erst einmal trocken. Jetzt kommt immer mal wieder ein kleiner Schauer durch, aber mit Blick auf den See aus dem Dachzelt heraus ist das völlig okay. 

Tag 9: 14.08.2026: Sonne, Regen, Regen, Regen, Regen, Sonne

Das viele Fahren macht ganz schön müde, weshalb ich auch heute lange schlief und mich gut erholte. Als ich aufwachte, hörte ich den leichten Regen auf dem Zeltdach, aber kurze Zeit später kam tatsächlich die Sonne raus. Somit frühstückte ich bei herrlichem Sonnenschein und auch das Zelt konnte etwas trocknen. Solche Momente genieße ich dann irgendwie besonders, vor allem wenn man weiß, dass es im Laufe des Tages wieder viel weiterregnen wird. 

Von meinem Spot fuhr ich wieder zurück auf die E6. Der Weg bis dahin war ganz schön kurvig und steil und der alte 1,9 TDI im Golf hatte echt sehr gut zu tun. Später dann auch die Bremsen. Naja, irgendwie war es ein hoch und runter. Hat der über 28 Jahre alte Wagen aber top gemacht. Die E6 war dann wieder sehr entspannt. Mit gut 90 km/h ging’s dann Richtung Süden und dann irgendwann auf die B77 Richtung Südosten. Ziemlich schnell war ich dann auch schon wieder in Schweden. Hier fuhr ich an unzähligen Seen vorbei. Der Diesel neigte sich langsam dem Ende zu, nach fast 1000km mit einem Tank ist das aber auch kein Wunder und echt immer wieder beeindruckend, wie sparsam dieser alte Wagen trotz Dachzelt, Beladung und Bergen ist. 

Irgendwo mitten in der Pampa kam dann eine Tankstelle, bei der es Diesel B0 gab. An den meisten anderen Tankstellen, auch in Deutschland ist das meistens B7-Diesel, also Diesel mit bis zu 7% Biodiesel-Anteil. Hier oben ist das jedoch reiner Diesel aus Mineralöl. Der hat wohl den Vorteil, bei langen Standzeiten im Tank nicht irgendwann schlecht zu werden. Auch die Farbe war anders. Nicht leicht gelb wie der B7, sondern richtig durchsichtig. Irgendwie hat mich das beeindruckt und ist mir in Erinnerung geblieben, weshalb ich das hier heute mal mit reinschreibe. 

Kurz nachdem ich übrigens heute Morgen gestartet bin, fing es an zu regnen. Ununterbrochen und auch nicht wenig. Teilweise war so viel Wasser auf den Straßen, dass ich das Lenkrad richtig festhalten musste, um vernünftig in der Spur zu bleiben. Der Scheibenwischermotor oder das Gestänge quietsche bei jeder Bewegung. 

Den ursprünglich angedachten Campingplatz ließ ich links liegen und bog irgendwann auf die E45 ab, quasi die Landstraße, die mitten durch Schweden von Süden nach Norden oder halt in meinem Fall von Norden nach Süden führt. 

Ganz plötzlich ging auch mein Drehzahlmesser im Auto wieder. Ich tippe darauf, dass durch das ganze Wasser irgendwo der Wackelkontakt überbrückt wurde und es wieder Kontakt gibt. Zwar nur für gut 20 Minuten, anschließend feierte der Zeiger Disco und ging mal hoch und runter. Mal gucken wie das morgen aussieht… 

Als es irgendwann weniger regnete und ich auch keine Lust mehr hatte weiter zu fahren, suchte ich mir einen Campingplatz raus. Hier ist‘s sehr schön und ruhig und vor allem trocken. Bei Sonnenschein ging ich spazieren, machte mir was leckeres zum Abendessen und genoss auch eine heiße Dusche. 

Die Saison hier oben ist allerdings schon so gut wie um. Hier stehen noch 2 weitere Camper, ein Wohnwagen und ein Bulli. Einige Hütten sind auch bewohnt, sonst ist hier allerdings tote Hose. 

Mittlerweile bin ich auch nicht mehr nördlich der Ostsee und auch den Polarkreis habe ich mittlerweile hinter mir gelassen. 

Seit dem Nordkapp bin ich auch schon wieder knapp 1500km gefahren, und gefühlt bin ich immer noch so weit im Norden. Ich denke die nächsten Tage geht’s auch nochmal weiter Richtung Süden. 

Tag 8: 13.08.2026: Tunnelblick

Heute Morgen wachte ich wirklich top erholt auf. Die Nacht war weder stürmisch, noch regnerisch, noch zu kalt, also wirklich optimal. Meine Uhr bestätigte mir das von einem Sleep Score von 99. Also startete ich entspannt in den Tag, packte ganz in Ruhe alles zusammen und räumte ein wenig meinen Stauraum bzw. Kofferraum auf. Echt praktisch mit den Eurokisten. Ich startete und fuhr erst einmal wieder zurück auf die große E6. Irgendwann ging’s dann von dort ab auf eine kleinere Straße, die dann irgendwann eine Fähre erforderte. Diese fährt alle zwei Stunden, also um 12 Uhr, 14 Uhr etc. Ich Kamm gegen 12:15 Uhr am Hafen an. Naja, halb so wild. Das Wetter war wirklich traumhaft sonnig und vor mir wartete ebenfalls eine Reisende, Ingunn, eine ich würde schätzen 70-jährige Norwegerin, die auf dem Rückweg von ihren Freunden nach Hause ist. Wir unterhielten uns sowohl vor der Fähre als auch auf der Fähre. Irgendwie sind solche Bekanntschaften echt cool und man erfährt erstaunlich viel über das Leben der Leute hier und auch die Gegend.

Leute wie Ingunn leben hier oben, da wo andere, und auch ich einfach nur auf der Durchreise sind. So aus erster Hand zu hören, wie das Leben hier oben so ist ist echt spannend. 

Später trennten uns unsere Wege wieder, sie Richtung zu Hause und ich Richtung Saltstraumen, dem größten Gezeitenstrom der Welt, ja richtig, der Welt. Etwa 10km südöstlich von Bodo liegt dieses Naturschauspiel. 

Hier fließen einfach mit gut 35 km/h in 6 Stunden ca. 600 Mio. Kubikmeter Wasser durch. Entweder in die eine, oder halt in die andere Richtung, je nachdem ob der Wasserpegel steigt oder fällt. Wirklich sehr beeindruckend. Zwischenzeitlich steht das Wasser auch, wenn die Richtung gewechselt wird. Das habe ich in der knappen Stunde, die ich da war, allerdings nicht gesehen. Es regnete mittlerweile wieder und so war ich froh, wieder im trockenen und warmen Auto zu sitzen. 

Besonders auffällig waren heute die zahlreichen Tunnel, durch die ich gefahren bin. Auf den Nebenstraßen waren diese ziemlich leer, auf den großen Straßen allerdings sehr stark befahren, alt, eng und etwas sketchy. Hier in der Gegend wird ein riesiger neuer Tunnel gebaut, welcher soweit ich das richtig gelesen habe über 30km lang sein soll und irgendwann 2030/2031 fertig werden soll. Gebaut wird allerdings fleißig und wirklich massive Gesteinsmengen abgerissen und abtransportiert. Das ist echt krass. 

Die letzten 20 Minuten für heute ging’s nochmal sehr kurvenreich weiter, bis ich irgendwann abends meinen heutigen Stellplatz am Fjord erreichte. Ich baute mir mit meiner Dachzeltplane eine Art Unterschlupf unterm Zelt und konnte so im Trockenen essen. Als der Wind dann allerdings drehte und der Regen schön von der Seite kam, packte ich alles schnell wieder zusammen und verkroch mich ins Auto. Hier ist’s noch schön warm von der Fahrt. Die Schlafsachen liegen auch schon im Dachzelt. Wenn der Regen etwas weniger wird, werde ich mal nach oben huschen. 

Was ich noch sehr interessant finde ist der Fakt, dass ich trotz der vielen Fahrerei immer noch nördlich vom Polarkreis bin, zwar mittlerweile südlich der Lofoten, aber immer noch weit im Norden. 

Tag 7: 12.08.2026: weiter Richtung Süden

Als ich heute Morgen aufwachte, trommelte der Regen aufs Zeltdach. Irgendwie ja schon gemütlich, wenn man im warmen Thermo-Schlafsack liegt. Auch der Heizlüfter sorgte heute Morgen für angenehme Wärme im Zelt. Da ich aber weiterfahren wollte und ein wenig dem nassen Wetter entkommen wollte, blieb mir nichts anderes über, als aus der Wärme in die Kälte zu klettern. 7 Grad, laut Wetterapp gefühlt wie 2 Grad und Regen sind dann nicht sooo geil. Naja, hilft ja nichts. Schnell wurde das Zelt leer geräumt. Eine Wasserpfütze, die sich auf dem Zelt angesammelt hat, schwappte mir dann einmal richtig schön auf den Kopf bzw. in den Nacken… Eine Abkühlung bei dem Wetter ist ja bekanntlich super😂

Als das nasse Zelt dann eingepackt, der nasse Stuhl, den ich nachts draußen vergessen habe im Kofferraum verstaut war, genoss ich mein Frühstück im warmen Auto. Der Heizlüfter ist inzwischen vom 1. Obergeschoss ins Erdgeschoss gewandert und sorgte hier für etwas Komfort. 

Nachdem alles ready war ging’s wieder auf die Straße. Die Stimmung wurde dann auch sehr schnell besser, als es wieder länger warm und trocken war und die traumhafte norwegische Landschaft den Rest des Tages vor meinen Augen so dahinzog. 

Ich fuhr durch etliche Tunnel, Kurven und Berge. Diese Entfernungen hier oben sind einfach krass. Das sieht auf der Karte echt nicht so weit aus, aber es sind einfach „mal eben“ so Strecken wie von Hamm nach Berlin. Nur halt nicht über gut ausgebaute dreispurige Autobahnen sondern Landstraßen auf denen man meistens so zwischen 60-90 km/h fährt und auch durch Orte. 

Auch heute bin ich wieder ohne Plan wo ich heute Abend schlafe gestartet. Ich wusste, dass es die E6 weiter Richtung Süden geht. Irgendwo hinter Narvik schaute ich dann etwas konkreter und fand bei Park4Night einen Platz bei einem Fjordausläufer. Der Platz war an sich sehr cool, allerdings wird davor gewarnt, wenn man keine Ahnung von den Gezeiten bzw. den Wasserständen hat, sollte man lieber woanders stehen. Da ich als Wirtschaftsingenieur eher wenig mit Meeresbiologie oder Gezeitenhüben zu tun habe und eher das Projektmanagement für einen Schutzwall mache und mein Golf kein Amphibienfahrzeug ist, fuhr ich die Straße wieder ein Stückchen zurück und fand einen kleinen Schotterparkplatz mit Bäumen. 

Schön im Windschatten stehe ich jetzt hier bei trockenem Wetter und wirklich keinem Wind. 

Als ich hier angekommen bin, stand hier ein etwa 60-jähriger Norweger mit seinem Auto, welches eine Panne hatte. Der Keilriemen ist übergesprungen, weil eine Führungsrolle abgebrochen ist. Somit ging sowohl die Servolenkung als auch der Bremskraftverstärker nicht mehr. Keine gute Kombi (bzw. SUV in diesem Fall) bei den ganzen Steigungen und Kurven hier… Wir quatschten echt lange und er erzählte einiges über diese Region hier. Echt spannend. 

Ich vertrat mir anschließend noch ein wenig die Beine und hüpfte dann auch schon in den warmen Schlafsack. 

Seit dem Nordkapp bin ich schon wieder knapp 750km gefahren, also quasi einmal von Hamm nach Going am Wilden Kaiser. 

Morgen geht’s dann wieder weiter. 

Tag 6: 11.08.2026: Der hohe Norden

Das Wetter heute Nacht war echt komisch. Mal war es komplett windstill, also wirklich komplett windstill, sodass man wirklich überhaupt gar nichts gehört hat und mal peitschte gefühlt mit voller Wucht gegen das Zelt. Somit wurde ich auch heute Nacht immer mal wieder leicht wach und wachte auch schon gegen kurz nach halb 7 heute Morgen auf. Raus aus dem Schlafsack wurde es auch direkt ziemlich frisch. Also schnell alles ins Auto, Zelt zugeklappt, gefrühstückt und ab ins Auto. Da ist es nämlich schön warm während der Fahrt. Gegen 10 Uhr ging’s dann auch schon los. Die Strecke war bekannt, da es bis Alta keine wirkliche Altanativroute (Achtung Wortspiel für die, die da nicht so in dem Game sind) gab. Somit fuhr ich auch wieder an dem Campingplatz vorbei, auf dem ich die Nacht davor stand. Da ich aber noch etwas weiter fahren wollte, ließ ich Alta hinter mir und fuhr die E6 immer weiter. Schon irgendwie krass, dass diese Straße von Trelleborg in Schweden ca. 480km durch Schweden führt, dann an Oslo und Trondheim vorbei bis nach Kirkenes, also kurz vor Russland führt. In Norwegen sind’s etwa 2600km und insgesamt über 3000km. 

Irgendwann sah ich ein großes Schild: Arctic Fjord Camp in 3km. Klang irgendwie interessant. Hier gibt’s Hütten und einen Campingplatz, direkt am Fjord. Da das Wetter wirklich super war und ich ja die letzten Tage nicht gerade wenig im Auto gesessen habe, entschloss ich mich mittags um kurz nach 12, hier einfach zu bleiben. Das ist ja das schöne an diesem flexiblen Reisen. 

Vor Ort machte ich mir einen entspannten Nachmittag, machte einen ausgiebigen Mittagsschlaf, las ein wenig und machte einen Spaziergang. Abends nutzte ich das warme Küchen-bzw. Sanitärgebäude, machte ein bisschen was am Rechner und kochte Abendessen. 

Heute habe ich mir tatsächlich auch mal Strom dazugebucht. Eigentlich sehr ungewöhnlich, weil das in den Bullis einfach nicht nötig ist, aber da meine Standheizungskistenkonstruktion ja nicht ganz so wie erwartet läuft und ich als Backup glücklicherweise einen kleinen Heizlüfter eingepackt habe, sitze ich jetzt im geheizten Dachzelt. Sehr angenehm. 

In den letzten Tagen, gerade hier oben im hohen Norden wo es auch einfach kälter als im Süden ist, habe ich festgestellt, wo das Dachzelt-Reisen so an seine Grenzen kommt. Solange man im Schlafsack liegt oder fährt ist es echt richtig geil. Komfortables Fahren dank PKW, deutlich weniger Spritverbrauch als im Bulli und die Nähe zur Natur. Aber genau diese Nähe zur Natur merkt man halt auch, wenn’s regnet, stürmt und man nicht gerade fährt oder im Schlafsack liegt bzw. irgendwas produktives am Rechner machen möchte…

Der Heizlüfter heute Abend allerdings ist wirklich ein Gamechanger. Mal gucken wohin es mich morgen so vertreibt. 

Tag 5: 10.08.2026: Nordkapp

Was ein Tag, einfach crazy. In Alta bin ich heute Morgen gut ausgeschlafen aufgewacht. Nachts wurde ich einmal wach, schaute aus dem Zelt und der Sonnenuntergang war immer noch da, oder schon der Sonnenaufgang. Die geht nämlich schon vor 3 Uhr morgens wieder auf. Echt krass. Der Wetterbericht fürs Nordkapp schwankte immer hin und her. Gestern Abend wollte ich noch relativ spät starten, der Wetterbericht heute Morgen war jedoch deutlich anders als gestern, also packte ich dann doch ziemlich schnell meine Sachen, spülte nochmal Geschirr, füllte meinen Wasserkanister auf und startete Richtung Norden. Die Straßen wurden immer kleiner und das Wetter immer wechselhafter. Von traumhaftem Sonnenwetter über Regen war alles dabei. 

Während der Fahrt begleitete mich das Gefühl, dass es gleich einfach nicht mehr weiter nach Norden geht, jedenfalls in Europa. Schon irgendwie ein sehr besonderes Gefühl. 

Nach ewig vielen Kurven und Hügeln erreichte ich dann gegen 13 Uhr das Nordkapp. Die letzten Kilometer waren wirklich sehr besonders. Seit ich am Donnerstag in Hamm gestartet bin, habe ich knapp 3000km zurückgelegt. Es ging durch Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland bis nach Norwegen. Unzählige Kurven, Landschaften, Orte liegen hinter mir und auf einmal stehe ich da. Mit dem Golf, der mich einfach super zuverlässig und auch komfortabel hier hochgebracht hat. So richtig realisiere ich das immer noch nicht, auch jetzt beim Blog schreiben. 

Oben darf man 6 Stunden kostenlos parken. Der Parkplatz ist ein sehr ruppiger, holpriger Schotterplatz, der nicht wirklich einladend ist. Das Besuchertentrum, welches allerdings ca. 35 Euro Eintritt kostet, lohnt sich aber allemal.

Zuerst ging’s aber zum berühmten Globus. Irgendwie krass den dann mal in echt zu sehen. Auf Bildern und YouTube-Videos habe ich ihn schon mehrfach gesehen, aber dann wirklich mal in echt direkt davor zu stehen ist wirklich anders. Der Blick aufs Meer, die ewige Weite ist echt atemberaubend. Das erlebt man nicht jeden Tag. An sich ist es vom Blick her wie an anderen Orten hier oben, aber zu wissen, dass es da dann erst mal nichts mehr gibt ist schon echt besonders. 

Im Besucherzentrum war ich erst einmal im Restaurant, genoss einen leckeren Burger und erkundete dann ein wenig das Museum. Auch ein Kino findet hier seinen Platz, wo ein kurzer Film über den Norden hier gezeigt wird. Sehr atemberaubend. 

Im Souveniershop gab’s leider den Nordkapp-Pulli nicht in der passenden Größe, wobei das auch nicht wirklich tragisch ist, da der Merch hier oben sowieso überteuert ist…

Sehr beeindruckt hat mich hier oben das Wetter, wie schnell sich das in so kurzer Zeit verändern kann ist einfach krass. Von leichtem Wind und fast Sonne bis hin zu Sturm, bei dem man fast umgepustet wird und Graupel-Schneeregen-Schauern war echt alles dabei. Bei dem Wind sind die Kreuzfahrtschiff-Rentner fast weggeflogen. Viel hat da nicht mehr gefehlt. 

Nach gut 5 Stunden nahm ich wieder Abschied von diesem besonderen Ort. Zum einen darf man hier nicht übernachten, zum anderen habe ich bei den Wetterbedingungen auch keine große Motivation im Dachzelt zu schlafen. Also ging’s langsam wieder Richtung Süden. Diesmal aber irgendwie ganz ohne Ziel, ohne den Plan den und den Ort dann und dann zu erreichen. Ganz grob stellte ich einen Campingplatz gut 2 Stunden entfernt ein, fand aber auf dem Weg dorthin einen sehr schönen Platz relativ nah an einer Straße, mit herrlichem Panorama. Hier bleibe ich heute Nacht. Mal gucken wie windig es hier so wird…

Kurz vor dem Trip haben Matthias und ich noch eine Standheizungskiste fürs Dachzelt gebaut. Also quasi eine Standheizung in einer Kiste. Die läuft mit Diesel und erhitzt Luft. An sich läuft die auch echt gut, nur leider stinkt der Schlauch so krass nach Kunststoff, dass ich die Luft nicht ins Zelt pusten möchte. Naja, so sammelt man Praxiserfahrungen. Mit dem dicken Schlafsack wirds aber auch nicht zu kalt. Das ist ganz angenehm.